Frankfurt  |  07/05/2018  |  27°C

 

TIEFE HÖHEN.

Hoch und runter ging es oft in den letzten Wochen. Manchmal schneller als ich mir das vorstellen konnte, trotz dieser Langsamkeit. Aber erst Gegensätze machen vieles deutlich. Wenn man Schnelligkeit kennt, weiß man was Langsamkeit bedeutet. Und so waren meine letzten Wochen großartig und wunderschön - gleichzeitig aber auch schwierig und hart. Wie das Leben eben ist. Toll.

Die letzte und zehnte Woche war turbulent. Die Ereignisse haben sich förmlich überschlagen. Dabei hatte ich mir eine ganz ruhige und entspannte letzte Woche vorgestellt. Ich weiß: „Sei bereit für alles. Es kommt ganz bestimmt anders, als du denkst.“ Dennoch war da diese stille Illusion. Aber es rollte eine Ereigniswelle über mich. Zwei Hochzeiten, eine wundervolle Tanzaufführung, Tharys Absage unserer Übergabe- und Einarbeitungstermine, Palmwein zum Frühstück, ein Wiedersehen mit Alfred, verrückte Stunden beim Vorhangkauf, mein letzter Besuch auf der Baustelle, Gordons überraschende Kündigung, Urkundenübergabe im BSDA Büro, ein großartiger Abend mit Bee und ihrem Freund, eine durchtanzte Nacht im Club, ein emotionaler Abschied, ein ungewollter Aufenthalt in Singapur und so vieles mehr.

 

Angefangen hat alles schon am Montagmorgen, als von Thary eine Nachricht kam, eine Absage. Die Absage unserer geplanten Termine. Wir hatten uns für Dienstag bis Donnerstag in Kampong Cham verabredet. Wir wollten abschließend einige marketingspezifische Punkte besprechen und ich wollte ihr noch Dinge, die mir wichtig erschienen, mit auf den Weg geben. Jetzt kam sie nicht. Auf intensives Nachfragen hin war dann klar, sie kommt in dieser Woche gar nicht mehr nach Kampong Cham. Sie musste in Phnom Penh bleiben, da sie noch einiges - oder noch sehr viel - für ihren ehemaligen Arbeitgeber zu tun hatte. Wie kann sie denn für zwei Unternehmen gleichzeitig arbeiten?

 

Ich versuchte herauszubekommen, was dahinter steckte. Habe mit Seanghath über übliche Arbeitsverträge gesprochen und die Vereinbarung mit Thary. Irgendwie wurde ich den Eindruck nicht los, dass da was nicht stimmt. Daher habe ich mich dann am Freitagabend in Phnom Penh nochmals mit Thary und Oleg getroffen. Alles schien soweit okay. Aber nur okay. Keine Spur von Enthusiasmus oder Vorfreude. Leider haben sich meine Vermutungen bestätigt. Am Montagmorgen - also 10 Tage später - erhielt ich die Nachricht, dass Thary ihren Job, den sie noch gar nicht richtig begonnen hatte, wieder niederlegen möchte. Schade. Sehr, sehr schade.

 

Zurück in meiner alten Welt, sitze ich nun in der Cafeteria der Radeberger Gruppe. Es ist Mittagspause. So ganz bin ich noch nicht angekommen, aber ich spüre meine differenzierte Betrachtung. Differenziert in jeder Hinsicht. Ohne jede Anstrengung kann ich momentan die Dinge ohne persönliche Involvierung betrachten. Ich bin da und fühle mich verantwortlich, aber ich kann mich von meiner eigenen Wichtigkeit befreien. Das fühlt sich gut an. Das fühlt sich an wie wahre Freiheit. Manch eine Diskussion bringt mich aber auch ins Staunen. Sie scheint so sinnfrei und unnötig. Es fällt dann oftmals schwer zuzuhören.

 

Nicht nur einmal habe ich in den vergangenen Tagen von meinen Erfahrungen und Erlebnissen der letzten Wochen erzählt. Stets mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Geschichten. Verrückterweise treffe ich auf großes Erstaunen, wenn ich auch mal kritische und negative Punkte habe. Dann werden meist die kompletten zehn Wochen in Frage gestellt. Aber warum denn? Ja, die Zeit war intensiv. Sie war großartig und aufregend, lustig und herzlich, aber nicht immer und ausschließlich. Es gab harte und wirklich schwierige Momente, die mich meine Grenzen spüren ließen. Doch trotz dieser Momente - oder genau deshalb - war es toll. Es war toll diese Intensität zu erfahren und zu spüren. Ich wollte eine Zeit, die das wahre Leben spiegelt. Eine Zeit mit allen Höhen und Tiefen und keinen verlängerten Urlaub. Genau das bekam ich.

 

Ich weiß nicht, wie viel Sinnstiftendes ich in dieser kurzen Zeit wirklich tun konnte. Aber ich hoffe sehr, dass vielleicht der eine oder andere Impuls hilfreich war und nachwirkt. Mir persönlich stiftete diese Zeit unglaublich viel Sinn. Ich bin ich voller Freude und Dankbarkeit. Dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte diese Erfahrung zu machen. Dankbar für die vielen wundervollen Begegnungen und tollen Momente, aber auch für die weniger schönen und schwierigen Augenblicke. Manchmal sind es genau diese, die mit einem etwas machen und Veränderungen hervorrufen. Mich hat diese Zeit auf jeden Fall verändert. Möglicherweise ganz anders als ich dachte. Man kann diese Veränderung nicht sehen und man sie nicht hören. Sie ist ganz still. Einfach da.

 

Erkenntnis der Woche: Nur durch Gegensätze entsteht Tiefe.

 

--------------------

 

Erkenntnis der 69 Tage:

Was wirklich hilft: Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation.

Voller Offenheit, ohne Bewertung, ohne Vorurteile und befreit von der eigenen Wichtigkeit.

 

Das ist ziemlich schwer. Da habe ich noch einiges zu tun. Ich trainiere täglich.

 

Und: Ich würde es sofort wieder machen. Vielleicht etwas anders, aber auf jeden Fall wieder. Mal sehen ...

________________________________

Location der Woche:

...


________________________________

Essen der Woche:

...


________________________________

Clip der Woche:

....


________________________________

Lieblinge der Woche:

...


________________________________

Bilder der Woche:

________________________________